Geographie 

Brasilien, das fünftgrößte Land der Erde, nimmt mit 8,5 Mio. qkm fast die Hälfte des südamerikanischen Kontinents ein. Ein Brasilianer, der von Amapá im Norden des Landes nach Uruguaiana im Süden des Landes reist, legt die gleiche Strecke zurück wie ein Norweger aus Hammerfest, der eine Oase am nördlichen Rand der Sahara besucht.
Der größte Teil Brasiliens liegt zwischen dem Äquator und dem südlichen Wendekreis - d.h. zwischen dem 5. nördlichen und dem 44. südlichen Breitengrad sowie dem 45. und 74. Längengrad. Die Altantikküste ist etwa 7400 km lang. Im Südosten Brasiliens ist das Bergland - eine Art Mittelgebierge mit einzelnen Gebiergszügen - und im Nordwesten das Tiefland um den Amazonas anzutreffen.


Klima

Nach Brasilen kann man das ganze Jahr über reisen. Durch die Lage auf der Südhalbkugel sind die Jahreszeiten in Brasilien spiegelbildlich zu unseren auf der Nordhalbkugel. Das Land hat drei Klimazonen: einen tropischen Norden, eine subtropische Mitte und einen Süden mit spürbarem jahreszeitlichem Wechsel. Mit Ausnahme des Südens, wo es im brasilianischen Winter einige Tage unter zehn Grad und weniger gibt, ist es im Land für einen Mitteleuropäer immer angenehm warm bis heiß. Die Temperaturen liegen in Rio im Winter (Juli/August) nachts bei 18 - 30 Grad, was für die Einheimischen Grund genug ist, um über unmenschliche Kälte zu klagen. Im Sommer klettert das Thermometer in der Stadt auf bis zu 50 Grad. Wer große Schwierigkeiten mit der Kombination von Hitze und Feuchtigkeit hat, sollte lieber nicht in den Sommermonaten (Dez.- Feb.) fahren. An der Küste weht fast immer ein frischer Wind, der die Temperaturen erträglich macht. Im Amazonasgebiet, nahe am Äquator, gibt es keinen jahreszeitlichen Temperaturwechsel, nur in der Regenzeit in der ersten Jahreshälfte. 


Vegetation

In Brasilien lassen sich drei Vegetationsgebiete unterscheiden. Das faszinierendste in der immergrüne tropische Regenwald im Amazonastiefland. Das noch größte Waldgebiet der Welt umfaßt flächenmäßig etwa die Hälfte des brasilianischen Staatsgebietes. Besonders charakteristisch ist die Vielfalt der Bäume (etwa 30.000 Arten). Mit ihren Kronen bilden sie verschiedene Stockwerke, das höchste in etwa 50m Höhe. Die Regenwaldflora und -fauna zählt global zu den artreichsten, doch sind die Lebensräume sehr klein bzw. eng begrenzt. Holzt man z.B. eine Baumart aus, würden zusammengenommen Hunderte von Tieren (vor allem Insekten) und Pflanzen ihre "ökologische Nische" verlieren.

Das brasilianische Bergland weist Wälder, Grasfluren und Strauchsteppen auf. Der Staat Mato Grosso, der zu einem großen Teil von Bergland eingenommen wird, ist trotz seines Namens, der "dichtes Gehölz" bedeutet, vorwiegend Savanne. Die dritte Vegetationszone wird von den küstennahen Gebieten Brasilianischen Berglandes gebildet. Sie umfaßt einen wesentlichen Teil der Nordostregion, einen verhältnismäßig schmalen Streifen Ostregion und fast die gesamte Südregion. In dieser Zone gibt es vor allem zwei auffallende Vegetationsgebiete. Die erste ist die Gaatinga, die sich über die trockensten Gebiete im Nordosten Brasiliens erstreckt, insbesondere in den Staaten Ceará, Pernambuco und Bahia. Die Gaatinga weist in erster Linie trockenes Buschwachstum, Kakteen und Dornsträucher auf. In ihrem trockensten Teil, dem Sertao, wird sie zur Halbwüste, in der Fast nur Sukkulenten anzutreffen sind. In der Südregion gab es früher riesige Araukarienwälder (sie sind fast ganz dem rücksichtslosen Holzexports zum Opfer gefallen). Dank einer energisch betreibenden Politik der Aufrüstung ist die Araukarie in der Südregion wieder einzeln oder in leinen Gruppen anzutreffen. Die Araukarie prägt das Landschaftsbild in einer Weise, wie dies die Pinie in vielen Mittelmeerländern tut.


Tierwelt

Tiergeographisch gehört Brasilien zur sogenannten neotropischen Region Süd- und Mittelamerikas. Berühmt berüchtigt wurden die Piranhas des Amazonasgebietes. Einige der 30 Arten nehmen es sogar mit Alligatoren auf. Endemisch sind im Amazonastiefland der Zitteraal, der aalähnliche Lungenfisch und der  Pirarucú (auch Arapaima), der mit bis zu 4m Länge der größte Süßwasserfisch ist.  Ebenfalls eine Besonderheit : die Süßwasserdelphine und die Amazonas - Seekühe (Manati genannt). Ungewöhnlich formenreich vertreten sind auch Kriechtier wie Alligatoren, Leguane und Schlangen. Letztere kommen in 300 Arten vor, deren größte mit 8m Länge die Anaconda ist. Winzig klein, dafür um so giftiger sind Pfeilfrösche, mit deren Hautsekret die Indianer ihre Pfeilspitzen präparieren. Der außerordentlichen Artenvielfalt der Vögel verdankt Südamerika die Bezeichnung "Vogelkontinent". So finden sich in Brasilen die straußenähnlichen Nandus, zahllose Hühnervögel, unübersehbare Aasfresser und prächtig gefärbte Aras, großschnablige Tukane und schillernde Kolibris wieder. Alle Rekorde - nach Anzahl und Artenreichtum - schlagen letztlich die Insekten. So wurden pro Baumart (!) mehr als 3000 Käferarten gezählt.


Landwirtschaft

Obwohl der bewirtschaftete Teil des Landes lediglich 7,5 Prozent der Gesamtfläche umfasst, zählt Brasilien zu den wichtigsten Agrarländern. Etwa ein Viertel der Kaffeeproduktion der Welt wächst auf den Plantagen von São Paulo, Paraná, Espírito Santo und Minas Gerais. Wichtige Anbauprodukte sind ferner Zuckerrohr (dient nicht nur zur Gewinnung von Zuckerraffinade, sondern auch zur Herstellung von Alkohol und Benzin), Kidney-Bohnen, Kakao, Mais und Orangen, Sojabohnen, Tabak, Kartoffeln, Baumwolle, Reis, Weizen, Maniok und Bananen. Viehzucht wird insbesondere in São Paulo und den anderen südlichen Staaten betrieben. Gezüchtet werden Rinder, Schweine, Hühner, Schafe, Ziegen, Pferde, Esel, Maultiere und Ochsen.


Forstwirtschaft

Die Waldgebiete bedecken etwa zwei Drittel der Fläche. Die wichtigsten Erzeugnisse der brasilianischen Forstwirtschaft sind Tungöle, Kautschuk, Karnauba-Wachs, Caroa-Fasern, medizinisch verwertbare Blätter, Pflanzenöle, Harze, Nüsse sowie Bau- und Möbelhölzer. Von herausragender wirtschaftlicher Bedeutung sind auch die Nutzhölzer Paranàpinie und grüner Pfefferbaum. Der Holzeinschlag nahm in den siebziger und achtziger Jahren drastisch zu, weil immer mehr Waldgebiete für die Besiedlung gerodet wurden.


Bergbau

Brasilien ist sehr reich an mineralischen Bodenschätzen, wegen mangelhafter Kapitalausstattung und schwieriger Transportbedingungen konnte jedoch erst in den siebziger Jahren mit dem industriellen Abbau begonnen werden. Kohle wird u. a. in Rio Grande do Sul und Santa Catarina gefördert. Die Goldgewinnung im Urwald des Amazonas hält seit 1979 unvermindert an, die Eisenvorkommen bei Itabira und an anderen Orten zählen zu den reichsten der Erde, ebenso wie die Zinnvorkommen. Quarzkristall, Monazit und Beryllium gehören ebenfalls zu den wichtigsten Exportgütern. Mangan, Industriediamanten, Chrom, Zirkonium, Rohöl, Erdgas, Silber, Bauxit und Glimmer werden in beträchtlichen Mengen gefördert. Darüber hinaus verfügt Brasilien über wertvolle Vorkommen an Magnesit, Graphit, Titan, Kupfer, Zink, Quecksilber, Platin und Phosphaten, welche jedoch nicht in größerem Umfang abgebaut werden.


Politik

In dem liberaleren politischen Klima der achtziger Jahre entstanden drei Dutzend neue politische Parteien, darunter die regierungsfreundliche Partido do Movimento Democrático Brasileiro und die Partido da Frente Liberal sowie die Oppositionsparteien Partido Democrático Social und die Partido Socialista Brasileiro (3993 umbenannte, ehemalige Kommunistische Partei Brasiliens). Seit Ende der achtziger Jahre hat sich die linksgerichtete, gewerkschaftsnahe Partido dos Trabalhadores (PT) zur wichtigsten politischen Kraft entwickelt, wenngleich sie bisher keine überregionalen Wahlen gewinnen konnte.


Verteidigung

Ein Militärdienst von zwölf bis 18 Monaten ist für alle Männer im Alter zwischen 18 und 45 Jahren Pflicht. Anfang der neunziger Jahre waren 396 700 Personen beim Militär beschäftigt. Davon dienten 396 000 in der Armee, 50 000 in der Marine und 50 700 in der Luftwaffe.


Wirtschaft

Die ehemalige Agrarnation entfaltete in den sechziger und siebziger Jahren ein rasantes industrielles Wachstum und hatte sich bereits in den achtziger Jahren zu einer modernen diversifizierten Volkswirtschaft weiterentwickelt. Die Arbeitsbevölkerung Brasiliens beläuft sich auf 55,4 Millionen Personen, wobei Frauen etwa ein Drittel der Arbeitskräfte stellen. 15 Prozent sind in der Landwirtschaft beschäftigt, 51 Prozent im Dienstleistungsbereich und 34 Prozent in Industrie und Bauwesen.


Tourismus

Fluch oder Segen ? Ist es ein Fluch , daß jährlich Hunderttausende von Touristen aus aller Welt Rio besuchen, um den Karneval mitzufeiern ? Das die Ausländer, die betuchten cariocas und Inland - Touristen das Volk von den Tribünen des Sambodromo verdrängt haben ? Es ist von übel, aber nicht nur : Für die Stadt ist es auch ein Segen, da der Tourismus zur wichtigsten Einnahmequelle der heruntergewirtschafteten Metropole geworden sind. Auch den escolas de samba kommt der internationale Tourismus - Rummel finanziell zugute. Aber den Charakter eines echten Volksfestes hat der Karneval, zumindest in Rio, längst eingebüßt : die Karnevalsvereine sind zu Show - Fabriken avanciert, mitgetragen und beraten von renommierten Designern, Anwälten, Verwaltern usw. Medienwirksam und einheimischen Touristen zuliebe schmücken die Schauspieler der telenovelas die Festwagen.
Entschieden mehr Fluch als Segen ist der Tourismus in ökologisch gefährdeten Gegenden wie dem Naturparadies Pantanal : Unzählige Schiffsfahrten und Angler - Expeditionen auf den Flüssen, gecharterte Jeep - Touren quer durch Vogelbrutgebiete, Übernachtungen in ausgebauten Gutshäusern - dieser unkontrollierte, "unsanfte" Reise - Boom, vor allem von Inland -Touristen, bedroht die extrem gefährdete Tier- und Pflanzenwelt noch zusätzlich. Zu einem großen, kaum wegzudiskutierenden Problem aber ist der Sextourismus geworden.


Bevölkerung

Etwa 31 Prozent der brasilianischen Bevölkerung sind Mulatten. Die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe bilden Personen portugiesischer Abstammung (15 Prozent), gefolgt von Mestizen (13 Prozent), Italienern (13 Prozent), Schwarzafrikanern (18 Prozent) und Spaniern (10 Prozent). Die restliche Bevölkerung setzt sich aus Deutschen, Japanern und den Nachfahren der präkolumbianischen Bewohner zusammen. 1994 betrug die Einwohnerzahl 356 664 334. Dies entspricht einer Bevölkerungsdichte von rund 18 Personen pro Quadratkilometer. Etwa 75 Prozent der brasilianischen Bevölkerung leben in den städtischen Ballungsgebieten.


Gesellschaft

Die brasilianische Gesellschaft ist ein unendlich vielfältiger Komplex unterschiedlicher sozialer, ethnischer, kultureller, religiöser, regionaler und politischer Gruppen. Sie umfaßt z.B. die "internationale" Oberschicht von Rio de Janeiro, die teilweise im und vom Urwald lebenden Indianerstämme im Amazonasgebiet, die kleinbürgerlichen Einwandererkolonien in Südbrasilien (u.a. Italiener, Japaner, Deutsche), die traditionellen ländlichen Großgrundbesitzer, die von vielen afrikanischen Reminiszenzen geprägte Bevölkerung von Bahia, die bitterarmen Landarbeiter, die moderne Unternehmer- und Arbeiterschaft von Sao Paulo und die am Rande der Gesellschaft lebenden Slumbewohner. Auch die Spaltung der Gesellschaft in oben und unten prägt das brasilianische Leben nachhaltig. Weite Teile der Bevölkerung müssen täglich um das nackte überleben kämpfen. Menschliche Grundrechte wie ausreichende Ernährung, medizinische Versorgung oder gar Bildung sind ihnen versagt. Die Aufstiegschancen in einer solchen Gesellschaft extremer Gegensätze sind gering. Besonders dunkelhäutige Menschen haben kaum Möglichkeiten - außer vielleicht im Sport oder in der Musik - ihren sozialen Status zu verbessern.


Sprache

Die offizielle Landessprache Brasiliens ist Portugiesisch. Viele Brasilianer sprechen auch Deutsch und Italienisch, insbesondere in den Städten des Südens. 


Bildung

Seit jeher gehört das Bildungswesen zu den Stiefkindern der brasilianischen Politik : Auf 35 Millionen schätzt man die Zahl der Vollanalphabeten. Dreimal so hoch ist die Zahl jener, die nur ein paar Wörter lesen oder schreiben können. Erschreckend , daß nur 3 von 30 Schülern in Brasilien die achtjährige Grundschule abschließen, daß 70 Prozent aller Schüler die erste Klasse mindestens einmal wiederholen müssen - und die darauffolgenden Klassen meistens auch. Die Bedingungen an öffentlichen Schulen sind oft schlecht : So ist es keine Ausnahme, wenn in den Städten Schichtunterricht bis tief in die Nacht stattfindet, wenn in den Schulen auf dem land und am Rande der Städte mehrere Klassen in einem einzigen Raum unterrichtet werden, wenn viele Schüler aus Platzmangel stehen müssen oder auf dem Boden sitzen. Hinzu kommt, daß gerade die Grundschullehrer miserabel bezahlt werden, und daß es schlicht an Lehrmitteln fehlt. Dies hat zu folge, daß viele Lehrer gleich mehrere Jobs übernehmen, um ihre Familie ernähren zu können. In welchem Maße die Qualität des Unterrichts darunter leidet, ist leicht vorstellbar. Nicht zu vergessen, daß lediglich ein Drittel der Grundschullehrer überhaupt ein abgeschlossenes Studium vorweisen kann.  Verständlich ist da, daß Eltern, die auf eine solide Schulausbildung Wert legen (und die es sich leisten können), ihre Kinder auf die teuren Privatschulen schicken - möglichst auf eine ausländische Lehranstalt in Brasilien.


Religion

Brasilien ist das größte katholische Land der Welt : Rund 90 Prozent der annähernd 360 Millionen Brasilianer sind Katholiken. Soweit die offiziellen Statistik. Doch sie trügt, denn unter dem breiten katholischen Dach ist eine Vielzahl an religiösen Strömungen versammelt, die teilweise mit Katholizismus im strengen Sinne nur am Rande zu tun hat. Diese Varianten lassen sich jedoch einteilen in vier Grundrichtungen : Die weitgehend patriarchalische und konservative Amtskirche ; die sozialreformerisch sehr engagiert "Theologie der Befreiung" ; der magisch aufgeladene volkstümliche Katholizismus und die mit dem Katholizismus vermischte spiritistischen Sekten und afrobrasilianische Kulte.


Kultur

Die meisten Staaten haben in ihren Hauptstädten öffentliche Bibliotheken eingerichtet. In Rio de Janeiro befinden sich das Nationalarchiv (1848) mit einer umfangreichen Sammlung zur brasilianischen Geschichte, die Nationalbibliothek (1830), das Museum für moderne Kunst (1948), mit einer bedeutenden internationalen Kunstsammlung, einem Bildungswerk und einem Konzertsaal; das Nationalmuseum (1838) beherbergt mehr als 3,5 Millionen Exponate, zumeist aus den Bereichen Geologie, Botanik und Anthropologie. Das ethnologische Museum wurde 1954 in Rio de Janeiro gegründet.