Der
Bundesstaat Bahia liegt im nördlichen Teil des brasilianischen
Berg- und Tafellandes an der Küste. Er ist etwa so
groß wie Frankreich und befindet sich größtenteils
zwischen dem 10. und dem 15. südlichen Breitengrad.
Der Bundesstaat erstreckt sich an manchen Stellen über
1000 km nach Westen ins Landesinnere. Nur im Süden,
an der Grenze zu den Bundesstaaten Espírito Santo
und Minas Gerais, verengt sich das Land zu einem rund
100 km schmalen Streifen. Etwa 1200 km misst die bahianische
Atlantikküste. Außer der flachen Küstenregion,
die sich um Salvador weiter ins Landesinnere ausdehnt,
besteht die Oberfläche Bahias vorwiegend aus einem
Mittelgebirge, das selten höher als 1000 m ansteigt.
Ausnahme ist die Chapada Diamantina. Ihr höchster
Punkt ist der Pico do Barbado (2033 m). Westlich der Chapada
flacht sich das Mittelgebirge wieder ab.
Datenblatt:
LAGE:
an der Ostküste Brasiliens zwischen dem 10. und 15.
Breitengrad (also ungefähr auf der Höhe von
Angola in Afrika)
FLÄCHE:
567 000 km² (Deutschland : 357 000 km² )
HAUPTSTADT:
Salvador da Bahia de Todos os Santos (etwa 2,5 Mio. Einwohner)
BEVÖLKERUNG:
ca. 13 Mio. Einwohner (Brasilien : 163 Mio.), davon 60%
in Städten; Wachstumsrate ca. 2%
BEVÖLKERUNGSDICHTE:
22 Einwohner je km² (Deutschland : 212 Einwohner
je km²) in
Salvador : 6162 pro km² (Berlin : 3386 je km²)
SPRACHE:
Portugiesisch
RELIGIONEN:
katholisch, protestantisch, afrobrasilianisch, Pfingstkirchen
BILDUNG:
ca. 20% Analphabeten
MINDESTLOHN:
ca. 100 €
LEBENSERWARTUNG:
58 Jahre (Deutschland : 76 Jahre)
KINDERSTERBLICHKEIT:
44 pro Tausend ( Deutschland : 8)
GESUNDHEITSSYSTEM:
Ein Arzt auf 1430 Einwohner (Deutschland : 95), ein Krankenhausbett
auf 500 Einwohner (Deutschland : 350)
STAATSFORM:
Brasilien ist seit 1988 eine Bundesrepublik; Parlament
mit Abgeordnetenhaus und Senat; alle 4 Jahre erfolgt die
Direktwahl des Staatschefs
ROHSTOFFE:
Erdöl, Erdgas, Kupfer, Blei, Silber, Chrom, Marmor,
Gold
BRUTTOINLANDSPRODUKT:
24 Mrd. US$
TOURISTEN:
4 Mio., davon 800 000 aus dem Ausland
WÄHRUNG:
1 REAL = 100 Centavos
Klima:
Durch
die Lage auf der Südhalbkugel sind die Jahreszeiten
spiegelbildlich zu unseren : Von November bis Februar
ist in Bahia Hochsommer, und es regnet wenig. Im Juni
bis August sinken die Temperaturen; im ganzen Bundesstaat
fallen Niederschläge. Im Landesinneren bleibt es
dagegen zur Jahresmitte trocken. Die Temperaturen schwanken
insgesamt nur gering. Die Durchschnittstemperaturen steigen
im Sommer an der Küste selten über 30°C
und fallen im Juli nie unter 20°C. Auch Temperaturen
bis zu 40°C sind am Meer erträglich, weil stets
ein leichter Wind weht. In den letzten Jahren haben sich
jedoch öfter Klimaschwankungen gezeigt. Noch weniger
berechenbar sind die Regenfälle im trockenen Landesinneren
Bahias. Allgemein gilt : Je weniger entfernt von der Küste,
um so weniger regnet es. In großen Teilen des Landesinneren
- vor allem im trockenen Sertão - fallen bisweilen
über Jahre keine Niederschläge. Den Dürren
folgen dann nach plötzlichen tagelangen Regengüssen
zum Tei Überschwemmungskatastrophen.
Bevölkerung:
In
Bahia haben fast 80 % der Menschen eine dunkle Hautfarbe.
Dennoch sind in Führungspositionen Schwarze eine
Ausnahme. Dementsprechend gehören mehr als zwei Drittel
der farbigen Bahianer zur Gruppe mit den niedrigsten Löhnen,
während auf der Gehaltsstufe eines mittleren Angestellten
( zehn Mindestlöhne) weiße Bahianer zu 90 %
vertreten sind. Die Chancenungleichheit auf dem Arbeitsmarkt
ist auch die Folge des miserablen Bildungssystems. Rassische
Diskriminierung ist in Bahia also ein ebenso großes
Problem wie in anderen Staaten Brasiliens, doch ist hier
seit jeher der organisierte Widerstand, wie z.B. in den
Revolten und den Fluchtburgen des 19. Jh., wie auch das
Selbstbewusstsein und die Identifikation mit der eigenen
Kulturtradition stärker. Die indianischen Ureinwohner
machen nur einen kleinen teil der brasilianischen Bevölkerung
aus (0,02%). Vor der Entdeckung durch die Weißen
lebten in Küstennähe ca. 1 bis 3 Mio. Indios.
Heute sind es nur noch knapp 300 000, die sich auf etwa
250 Stämme in ganz Brasilien verteilen. Sie haben
nach der Verfassung von 1988 erstmals Reservate erhalten
(ca. 11 % der Staatsfläche). Die Reservate gehören
ihnen aber nicht. Sie können den Boden nutzen, aber
nicht verkaufen. Die Demarkation der Reservate hat in
den 90er Jahren zu wachsenden Konflikten zwischen nicht-indianischen
Einwohnern und Großgrundbesitzern geführt.
Noch immer sind nicht alle Reservate abgesteckt. Die Indianer
müssen sich gegen die kommerzielle Nutzung durch
Goldsucher, Sojapflanzer und Holzfirmen wehren. Im Süden
Bahias gibt es oft blutige Auseinandersetzungen zwischen
der lokalen Polizei, Vertretern der Indianerbehörde
Funai und den Indios selbst, die zunehmend selbstbewusst
auftreten. Bereits öfter ist es am 19. April - dem
in ganz Brasilien gefeierten Tag des Indios - zu Konflikten
gekommen.
Karneval
in Salvador - Bahia:
Der
Karneval ist der Höhepunkt und das Ende der Sommersaison.
Anders als in Rio, wo die meisten Veranstaltungen in Clubs
organisiert sind und die Karnevalsschulen durch ein Stadion
ziehen, findet das Fest in Salvador fast ausschließlich
auf der Straße statt. Durch den Erfolg der Axé
- Music hat der Karneval hier gigantische Ausmaße
angenommen. Salvador ist das Zentrum des größten
Straßenkarnevals der Welt, der inzwischen den in
Rio und Olinda (Recife) an Popularität überflügelt
hat. Vorläufer
des Karnevals war der Entrudo, den die Portugiesen mit
nach Brasilien gebracht hatten. Er war ein derbes Vergnügen,
bei dem man sich gegenseitig mit Wasser bespritzte, Mehl
übereinander schüttete oder von den Balkonen
Töpfe mit Flüssigkeit über den Köpfen
der Passanten ausleerte. Da diese Praktiken trotz Verbots
(1853) ausuferten, initiierte die Obrigkeit in Verbindung
mir der Kirche die Ausrichtung eines geordneteren Straßenkarnevals.
Der erste Straßenkarneval wurde 1884 in Salvador
organisiert. Von
Musikgruppen begleitet, die Fanfaren, Polkas und Operanarien
spielten, präsentierte der Karnevalsclub Cruz Vermelha
seinen ersten prächtigen Umzug mit geschmückten
Prunkwagen. Die Schaulustigen warteten am Straßenrand
geduldig und korrekt gekleidet. Nur
die von den Nachfahren der Sklaven um 1900 gegründeten
Afoxés, schwarze Karnevalsgruppen, die mit afrikanischen
Kleidern und Symbolen zum Klang von Trommeln und Rasseln
durch die Straßen tanzten und damit das Missfallen
der weißen Minderheit erregten, wichen von diesem
Bild ab. Nach ihrem Verschwinden blieb der Karneval bis
Mitte des 20.Jh. ein ruhiges Ereignis : Man saß
im Schatten, trug seinen Sonntagsstaat und bestaunte die
Parade der Samba - Schulen. In den 50er Jahren revolutionierte
die Musiktechnik den Karneval. Lautsprecher wurden auf
Transportgefährte gesetzt und beschallten die Zuschauer.
Die Tonnen schweren, mehrere Meter langen und hohen Trio
Elétrico genannten Karnevalswagen haben sich zu
120 000 Watt starken Lautsprecher- und Musikmischanlagen
ausgestatteten High - Tech - Gefährten entwickelt.
Sie haben sogar Platz für schwenkbare Bühnen,
Gäste, Bar, Umkleidekabinen usw.
Wenn sie sich langsam durch die Menschenmenge schieben
und die Hits aus den Riesenboxen donnern, tanzen die Menschen
wie unter Strom gesetzt und verwandeln den Karneval in
ein brodelndes Straßenfest. Das Fest beginnt offiziell
mit der Übergabe des Stadtschlüssel vom Bürgermeister
an den Karnevalskönig, den dicken Rei Momo, am Donnerstagabend
und endet am Aschermittwochnachmittag.
An
den Spitzentagen sind rund 1,5 Mio. Menschen bis in die
frühen Morgenstunden hinein unterwegs. Über
200 verschiedene Karnevalsgruppen ziehen mit ihren Musikattraktionen
sieben Tage lang durch die rund 19 km für die Feierlichkeiten
abgesperrten Straßen und Plätze der Innenstadt
und entlang der Küstenstraße vom Leuchtturm
in Barra bis zu den Fünf - Sterne - Hotels in Ondina.
Parallel dazu wird in den einzelnen Stadtvierteln gefeiert,
auch im Altstadtviertel Pelourinho