Karneval
Die
Ursprünge des Karneval gehen auf römische Saturnalien
ebenso zurück wie auf vorchristliche Feste zur Begrüßung
des wiederkehrenden Frühlings. Nachdem die katholische
Kirche im Mittelalter erfolglos versucht hatte, alle heidnischen
Bräuche zu unterdrücken, wurden Elemente dieser
traditionsreichen Feiern in den Karneval, die Zeit vor
der christlichen Fastenperiode, übernommen. Die europäischen
Länder, vor allem Frankreich, Spanien und Portugal,
begingen den Karneval mit lauten und oft derben Straßenfesten.
Alle drei Kolonialmächte brachten diese Tradition
mit in die Neue Welt. Auch in Brasilien wurde der Karneval
zuerst wie in Portugal mit Umzügen und wahren Straßenschlachten
gefeiert, bei denen man sich mit Wasser, Konfetti, Eiern,
Mehl und übelriechenden Dingen bewarf. Von der ausgelassenen
Fröhlichkeit wollte sich bald auch die nicht-weiße
Bevölkerung nicht mehr ausschließen lassen.
Viele Dienstherren erlaubten ihren Sklaven, die drei tollen
Tage zu feiern, und konnten fast sicher sein, daß
diese die Freiheit nicht zur Flucht ausnutzen würden.
Die Sklaven bemalten ihre Gesichter mit Mehl, kostümierten
sich und zogen mit durch die Straßen Rios.
Erst
ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Maskenbälle
in geschlossenem Rahmen veranstaltet, auf denen die gehobene
Gesellschaft Batuque und Polka, Mazurka und Walzer tanzte.
Innerhalb weniger Jahre waren Maskenbälle in Mode,
und die Kapriolen auf den Straßen ließen nach.
Ausgehend von Rio formierten sich zu Karneval Rancho-
und andere Gruppen und zogen spielend und tanzend durch
die Städte.
Heute
feiert Rio de Janeiro den berühmtesten Karneval der
Welt - mit dem Umzug der Samba-Schulen als farbenfrohem
Höhepunkt. Die ersten Samba-Schulen wurden zu Beginn
der zwanziger Jahre gegründet. 1944 wurde unter der
Regierung Getúlio Vargas die Samba zum offiziellen
Tanz des Karneval erklärt. Die Mitglieder der Samba-Schulen,
die an der Parade teilnehmen, stammen zumeist aus den
Favelas, den ausufernden Stadtteilen der armen Bevölkerung
Rios. Jedes Jahr zu Karneval stehen die Samba-Schulen
miteinander im Wettbewerb. Jeder einzelne Aspekt ihrer
Präsentation wird von einer Jury begutachtet und
bewertet, Kostüme, Choreographie, Gesamtbild und
Qualität der Parade. Die Darbietung einer jeden Schule
konzentriert sich auf ein zentrales Thema, auf eine historische
Begebenheit oder Gestalt etwa, oder auf eine Geschichte
oder Legende aus der brasilianischen Literatur. Die Kostüme
müssen der Zeit und dem Ort des jeweiligen Motivs
entsprechen und die Samba-Lieder die Geschichte wiedererzählen
oder weiterentwickeln, selbst die riesigen Festwagen sind
bis ins Detail auf das zentrale Thema abgestimmt. Auch
nach Salvador da Bahia strömen jährlich zur
Karnevalszeit über eine Million Menschen, um ausgelassen
mitzufeiern. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht der
für seine Trommelgruppe berühmte Musikverein
Olodum, in dem sich seit langem alles um die wöchentlichen
Proben für den Umzug gedreht hat. Wer hinter einem
Trio Elétrico, einem Laster mit Vierzigtausend-Watt-Verstärker,
durch die Stadt zieht, wird wie in Trance von der tanzenden,
spielenden und singenden Masse mitgerissen. Superstars
wie Daniela Mercury und Carlinhos Brown heizen im Karneval
ordentlich ein, während Formationen wie Filhos de
Gandhi, dem Ruf der Trommeln und spirituellen Rhythmen
aus Bahia folgen. Erst am Aschermittwoch ist der frenetische
Wettkampf der "Bandas" zu Ende. Zu den bekanntesten
Bandas im Nordostkarneval gehören weiterhin Ara Ketu,
É o Tchan und Banda Eva.
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mehr dazu: "Der Karneval in Salvador - Bahia"
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Höhepunkt
des alljährlichen Karnevals ist das Defilee der Sambaschulen
im 1983 erbauten Sambadrom