Capoeira und Candomble

Candomble ist eine Naturreligion und hat genau wie die Capoeira eine afrikanische Abstammung. Nun ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass diese auch gewisse Einflüsse auf die Capoeira hat. Sei es durch den Glauben, längst vergangene historische Geschichten oder nur durch den Zusammenhänge der Graduierungen mancher Gruppen mit den Farben der Gottheiten...Die Zusammenhänge und Einflüsse sind vielfältig...

Entlang der Atlantikküste, von den amazonischen Regenwäldern bis zur Grenze nach Uruguay, können wir die Überbleibsel afrikanischer Religionen entdecken. Aber Bahia bleibt mit seinen Candomblés *) ihre heilige Stadt...In Bahia gab es seit dem frühen 16. Jahrhundert eine starke Präsenz von Bantu-Negern. Ihnen folgten massenhaft Afrikaner aus Dahomey und dem Yorubaland, deren Rituale der Götteranbetung zum Modell für die in Bahia lebenden Ethnien wurden. Die Candomblés gehören zu verschiedenen Volksgruppen, die sich hier 'Nationen' nennen: Angola oder Congo, Nago, Ketu und Ijesha. Man kann diese Nationen nach ihren Trommeln und Musiken, ihrer rituellen Bekleidung, der Sprache ihrer Gesänge und den Namen ihrer Gottheiten unterscheiden. Aus: Roger Bastide, Le Candomblé de Bahia. Paris/Den Haag 1958


Candomblé Opo Afonja
Salvador, Bahia. 1950 - 1951

In allen Candomblé-Stätten wird der Kult von einer Heiligen Mutter oder einem Heiligen Vater geleitet, dessen afrikanische Herkunft häufig noch nachvollziehbar ist, wie bei Maria Bibiana do Espíritu Santo, die unter dem Namen Senhora bekannt ist. Mae Senhora leitete mit starker Hand das Terreiro *) do Axé Opo Afonjá in Bahia. Sie initiierte zahlreiche Heilige Töchter, deren spirituelle Mutter sie damit wurde.

P. Verger
(
Fotos von Pierre Verger und Mario Cravo Neto)

 

Candomble

Afro-brasilianische Religion mit verschiedenen Untergruppen, geprägt von Angehörigen der Yoruba *), die besonders zahlreich vom 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Bucht von Benin (siehe Karte) nach Brasilien verschleppt worden sind. Da es keine geschriebenen Texte gab, wurden die Grundregeln und Legenden durch die Zeremonien und mündlich übermittelten Mythen weitergegeben. Den religiösen Gemeinschaften der Kultstätten, den Terreiros, stehen Priesterinnen (in der Mehrzahl) und Priester vor: "Ialorixá" oder "Mãe de Santo" (Heilige Mutter) und "Babalorixá" oder "Pai de Santo" (Heiliger Vater). Verehrt werden ursprünglich aus Afrika stammende Gottheiten, die Orixás bzw. Orishas. Dass viele Orixás mit katholischen Heiligen assoziiert werden, hat mit der anfänglichen Notwendigkeit einer Tarnung der von der Kolonialmacht als "heidnisch" verfolgten Glaubensvorstellungen der afrikanischen Sklaven zu tun. Noch bis in die 1970er Jahre war Candomblé in Brasilien verboten. Heutzutage ist Candomblé überaus populär. Auch viele bekannte Künstler, Intellektuelle, Politiker, Wirtschaftsbosse etc. bekennen sich offen dazu.

Der brasilianische Candomblé-Kult ist eine Synthese des von den Missionaren mitgebrachten Katholizismus und Afrikanischer Naturreligionen. Er wurde durch Sklaven der Gegê- und der Nagô- Stämme begründet, die von den Europäern während der Kolonialzeit nach Brasilien gebracht wurden. Von den christlichen Missionaren unterworfen, war es diesen Sklaven verboten, ihre traditionellen, afrikanischen Trance- Religionen zu praktizieren, so dass sie ihre afrikanischen Götter als katholische Heilige verkleideten - eine Doppelidentität, die bis heute überdauert hat.

Die Sklaven rechtfertigten ihre Gesänge und Tänze, denen in ihrem Glauben eine zentrale Rolle zukommt, mit der Erklärung, sie priesen darin die katholischen Heiligen, während sie in Wirklichkeit ihre eigenen Gottheiten um Hilfe und Schutz anflehten. Auf diese Weise konnten sie, von den Missionaren unbemerkt, ihre Traditionen weiterhin - versteckt - leben, sodass ihre Bräuche bis heute überdauerten. Ihr eigentlicher Gott, Oxalá, bekam in dieser Doppelidentität den Namen Jesu Christus. Zu ihrem Glauben gehört die kultische Anbetung von Orixás, Geister der Natur, denen die vier Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft unterstehen. Sie sind Gottheiten, die alle Teilgebiete des Lebens behüten; Kriege, Jagd, Krankheiten, Mutterschaft, Glück, aber auch Dinge wie das Salzwasser, alte Könige Afrikas, oder das Wissen wurden von ihnen verwaltet. Jede dieser Orixás hat ihr Gegenstück im christlichen Glauben, jede hat ihre Doppelidentität. Diese Naturgeister werden im Privaten angebetet. Zusätzlich werden jährliche Feste organisiert, die je einem einzelnen von ihnen gewidmet sind. In diesen Festen tanzen die Priester und Gläubigen frenetisch zu afrikanischen Trommeln, bis sie in Trance fallen und die Geister der Orixás sich ihnen so bemächtigen können. So wird der Körper des Gläubigen durch Trance zu einem Kommunikationsmittel zwischen göttlichen Mächten und den sterblichen Menschen.

Die Priester und Priesterinnen, die für diese mediale Kommunikation ein besonders ausgeprägtes Potential zeigen, sind auch im täglichen Leben der Candomblé- Gemeinschaft machtvolle spirituelle Figuren. Die Ausbildung zum Priester oder zur Priesterin einer der Orixás besteht aus einem komplexen Training mit Monaten von Abgeschiedenheit, rituellen Bädern und einer Initiation, die aus einer Ölung und Salbung mit Tierblut und Hühnerfedern besteht.

Orixás, auch: Orishas

Im Candomblé *) verehrte Gottheiten, von den verschleppten Sklaven besonders der Yoruba-Völker *) nach Brasilien mitgebracht. In Afrika waren es zu Göttern aufgestiegene Könige, Königinnen, mythische Helden oder andere Vorfahren. "Ursprünglich ehrte in Afrika jede Gruppe ihre eigenen Vorfahren, und jede Ortschaft war mit einer lokalen Gottheit verbunden, die oft ein Vorfahre der örtlichen Herrscherdynastie war, ein Führer der eigenen Sippe oder jemand, der der Gruppe auf ganz besondere Weise half und beistand. ... In der Diaspora bildete sich aufgrund der veränderten Gegebenheiten ein wahres Pantheon von Gottheiten, mit der Konzentration einer großen Anzahl von Orixá in demselben Terreiro *) als einem mythischen Raum. In erster Linie war es die Aufrechterhaltung eines symbolischen Erbgutes, worauf sich die Verantwortung für die Kontinuität der afrikanischen Weltanschauung im Exil stützte. Es wurde ein Repertoire von Regeln mit dem Anspruch auf Ursprünglichkeit neu gebildet, um die schöpferische Basis der afrikanischen Religiösität zu erhalten." [1]"Die Orixá sind Offenbarungen der geistigen Macht der höchsten Gottheit Olorun *). Sie sind Vermittler zwischen der höchsten Wesenheit Olorun und den Gläubigen. Die Orixá sind sowohl die Ahnen als auch die Kräfte der Natur." [2]Die Orixás haben durchaus ihre Schwächen und können Irrtümer und Fehler begehen. In seinem Buch Orixas vergleicht Pierre Verger die Yoruba-Gottheiten in Afrika und der Neuen Welt und ordnet ihnen menschliche Archetypen zu. Jeder Gläubige steht lebenslang unter dem Schutz seines individuell ausgewählten Orixá.Die Orixás sind eng mit den Kräften der Natur verbunden, wie der Luft, dem Wasser, Bergen, Pflanzen, Tieren. Außerdem gehören zu jeder Gottheit spezifische Attribute: eine Farbe, ein Metall, ein Wochentag, eine Lieblingsspeise, bestimmte Trommelschläge, etc.. Mehrere Orixá erfüllen konkrete Aufgaben und soziale Funktionen, z.B. Xango als Krieger, Oxossi als Jäger, Ogun als Schmied.In Brasilien und in anderen Ländern Amerikas - so in Kuba in der Santería - wurden die afrikanischen Gottheiten zur Tarnung mit katholischen Heiligen assoziiert, um die Religion trotz des Verbots praktizieren zu können. Im Candomblé Brasiliens entsprechen z.B. Xango dem Hl. Hieronymus und Oxossi dem Hl. Georg

 

Die wichtigsten Orixás des Candomblé-Glaubens sind:

Oxalá

ist das Oberhaupt der Götterfamilie. Von seinem Vater Olórun, dem höchsten Gott, hat er die Macht bekommen, die Welt zu regieren. Oxalá ist der Herr des Friedens und der Schöpfung. Er kann als edler stolzer Jüngling Oxaguia oder als weiser, großzügiger, von der Last der Welt gebeugter Oxalufa auftreten. Er trägt einen silbernen Stab, auf dessen Spitze eine Taube sitzt. Seine Farbe ist Weiß, sein Tag der Freitag. Ihm zu Ehren tragen viele Bahianer Freitags weiße Kleidung und wird das größte Fest Bahias gefeiert : Lavagem do Nosso Senhor do Bonfim, die Feier für Unseren Herrn des Guten Endes. Oxalá nimmt in der afrikanischen Götterwelt die gleiche Stellung wie ein Jesus Christus im katholischen Glauben und erfährt die höchste Verehrung.

 

Yemanjá

ist die Göttin des Meeres und wird als Mutter aller Orixás angesehen. Sie trägt eine silberne Krone und hält einen silbernen Fächer in der Hand. Yemanjá ist mütterlich, eitel und liebt den Luxus. Ihre Farben sind Weiß, Hellblau und Rosa, ihr Tag ist der Samstag. Am 2. Februar wird ihr zu Ehren ein großes Fest in Rio Vermelho gefeiert. Bei der Vermischung des afrikanischen und katholischen Glaubens (Synkretismus) wird sie mit der Nossa Senhora da Conceicao (Unbeflekte Empfängnis) in Verbindung gebracht.

 

Oxum

herrscht über das Süßwasser - über Flüsse, Wasserfälle und Seen. Sie ist die Göttin des Reichtums und der Schönheit. Die sinnliche Oxum gilt auch als kinderlieb und kennt das Geheimnis der Fruchtbarkeit. Sie trägt einen goldfarbenen Fächer. Ihr Tag ist der Samstag, ihre Farben sind Gelb und Gold. In Bahia wird sie mit der Nossa Senhora das Candeias gleichgesetzt.

 

Ossâim

Herr der heiligen und medizinischen Pflanzen, ist besonders wichtig, weil ohne ihn nicht eine Zeremonie im Candomblé stattfinden könnte. Denn in den Pflanzenblättern ist das Axé, die positive Energie der Götter, enthalten; sie werden zum Beispiel bei der Vorbereitung der Heiligentöchter (laôs) eingesetzt. Das Symbol von Ossâim ist ein Eisen mit sieben Spitzen, auf deren mittlerer ein Vogel sitzt. Seine Farben sind ein milchiges Rot, Blau oder Grün, sein Tag ist der Montag. Er wird mit dem Heiligen Benedikt in Verbindung gebracht.

 

Exu

der Götterbote, ist der Mittler zwischen den Orixás, den Eguns, den Geistern der Toten, und den Menschen. Er ist auch der Wächter der Tempel, der Häuser und der Städte. Ihm müssen auch zu Beginn aller Zeremonien als erstem Opfergaben gebracht werden. Jedes Fest im Candomblé beginnt mit einer Zeremonie für ihn, damit das Fest harmonisch abläuft. Denn der Hüter der Kreuzungen, der dafür sorgt, daß die Wege zwischen den Welten geöffnet sind, ist leicht zu beleidigen und muß milde gestimmt erden, damit er göttliche Botschaften überbringt. Seine Farben sind Schwarz und Rot, sein Tag der Montag. Er wird mit den sieben Schwertern oder einem Dreispitz dargestellt. Exú ist ein gerissener Kerl auf der Seite der Recht- und Machtlosen, der sich für seine Dienste bezahlen läßt. Er wird mit dem Teufel der Christen assoziiert, aber das ist nicht ganz richtig, denn er arbeitet auch für das Gute und seine Figur ist weit vielschichtiger als die des Teufels.

 

Omolu

der Gott der Krankheiten. Er wude von seiner Mutter nana Buruku verstoßen, weil er sich schon als Jüngling prostituiert hatte, und von Yemanjá aufgezogen. Er versteckt sein seuchenentstelltes Gesicht mit eine Umhang aus Stroh. In der Hand trägt es eine Xaxara, einen verzierten Besen, der Heilung bringt. Sein Tanzen symbolisiert das leiden und den Fieberwahn. Seine Farben sind Schwarz, Weiß und Rot, sein Tag der Montag. Er wird dem Heiligen Lazarus gegenübergestellt.

 

Nana Buruku

ist die älteste der Göttinnen des Wassers. Wegen ihres Alters wird sie mit dem Tod in Verbindung gebracht. Dienstag ist ihr Tag, ihre Farben sind Blau und Weiß. Sie entspricht im katholischen Glauben der Heiligen Anna.

 

Ogun

der Herr des Eisens und des Krieges, ist ein Bruder Xangôs.. Er gilt als Schutzpatron derer, sie als Bauern und Handwerkern mit Eisen arbeiten. Ogun wird Männlichkeit, Ungeduld, aber auch Geschicklichkeit zugesprochen. Seine Symbole sind ein silbernes Schwert und Insignien aus Eisen. Dunkelblau ist seine Farbe und sein Tag der Dienstag. In Bahia wird er zusammen mit dem Heiligen Antonius verehrt.

 

Oxumaré

ist er Gott des Regenbogens. Seine Tänze stehen für den Himmel und das Land. Sechs Monate im Jahr männlich, sechs Monate weiblich. Sein Symbol ist die Schlange. Dienstags ist sein Tag, seine Farben sind Grün und Gelb. Oxumaré wird mit dem Heiligen Bartolomäus gleichgesetzt.

 

Xangô

einer der drei Söhne Yemanjás, regiert über Donner und Blitze. In Afrika war er ein mächtiger König und Gründer der mystischen Stadt Oyó. Xangô ist stolz, gebieterisch und ungestüm. Er hat drei Frauen : Iansa, Oxum und Obá. Sein Symbol ist die Doppelaxt aus Kupfer. Seine Farben sind Rot und Weiß, sein Tag der Mittwoch. Im Kathollizismus wird Xangô dem Heiligen Hieronymus zugeordnet.

 

Lansã

ist die Göttin der Sonne, des Windes und Unwetters und die Frau von Xangô. Sie ist es, die mit ihren Tänzen das Toben der Stürme freisetzt und auch die Geister der Toten beherrscht. Sie ist die einzige der Orixás, die sich nicht vor den Eguns, den Seelen der toten Vorfahren fürchtet. Iansã gilt als kämpferisch, leidenschaftlich und eifersüchtig. Ihre Farben sind Rot und Lila und Weiß, ihr Symbol ist ein Spieß aus Kupfer, ihr Tag der Mittwoch. Sie wird mit der Heiligen Barbara assoziiert.

 

Oxóssi

der dritte Sohn Yemanjás, ist der Gott der Jagd und des Waldes und war in Afrika König von Keto. Eleganz, Beweglichkeit und Intellektualität, gleichzeitig aber auch Bescheidenheit und Aufrichtigkeit charakterisieren diese vielschichtige Gottheit. Pfeil und Bogen sind seine Symbole. Die Farbe Oxóssis sind Blau und Hellgrün, sein Tag ist der Donnerstag. Er wird mit dem Heiligen Georg assoziiert.