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Ohne Musik wäre in Brasilien das Unerträgliche
unerträglich -
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heißt es in
Brasilien. Es ist in der Tat so, als nährte ein
ganzes Volk sein Lebensgefühl aus der Musik : Mitten
auf der Schlammstraße einer favela steht ein Kasten
Bier, daneben zwei, drei Musiker mit Ihren Instrumenten,
immer mehr Kinder und Erwachsene gesellen sich dazu
- man spielt eine sambinha, die nichts kostet, die
für kurze Zeit tristes Leben in Lebenslust verwandelt.
Oder am Strand ertönt aus einem Kofferradio Sambamusik
und spontan springt ein Pärchen auf und tanzt. Oder
ein überfüllter Bus steht in Rio oder Salvador im
Stau, es ist brüllend heiß und ungemütlich
- da trommelt einer rhythmisch auf die Fensterscheibe,
ein anderer gegen das Dach und die Stimmung ist
gerettet. Die Brasilianer scheinen die Musik in
sich zu tragen. Entscheidenden
Einfluß auf die Entwicklung der brasilianischen
Musik hatten die afrikanischen Sklaven. Sie brachten
die (für die Musik Brasiliens so typischen) Trommeln
und viele andere Instrumente mit. Von den Portugiesen
stammen die lyrisch - poetischen Texte und jene
unverkennbare melancholische Grundstimmung, die
auch heute Bestandteil der MPB, der Música Popular
Brasilieira ist. Auch Instrumente wie das bandolim
(Mandoline), das cavaquinho, ein kleines Saiteninstrument,
verschiedene Flöten und die portugiesische Gitarre
sind ein Vermächtnis der Kolonisatoren. Die Brasilianer
kreierten mit diesen Instrumenten den Choro.
So
entwickelte sich die MPB aus
der ehemaligen Synthese religiös inspirierter
afrikanischer Rhythmen, einzelner indianischer
Elemente und verschiedener europäischen Musikformen.
Mit der Zeit brachte jede Region ihre spezielle
Musik hervor :Sehr beliebt im nordöstlichen Landesteil ist der Forró, in dem sich Akkordeon, Flöte, Gitarre und Schlaginstrumente
zu einem Volkstanz verbinden, der von Fußstampfen
begleitet wird. (Forró heißt auch das dörfliche
Tanzvergnügen im brasilianischen Nordosten.) Ebenfalls
aus dem Nordosten stammt der Frevo
mit seinen synkopisch-akzentuierten Rhythmen,
der wegen der hohen Spagatsprünge eine gute Körperbeherrschung
verlangt. In Rio ist der Chorinho weit verbreitet, eine zärtliche Instrumentalmusik gespielt
von Flachgitarre (Cavaquinho),
Flöten und Schlaginstrumenten aller Art und Größen,
gelegentlich verstärkt durch Klarinette oder Saxophon,
sowie die international so erfolgreiche Lambada.
Die getanzte Lambada
ist sinnlich und schnell.
Die
Samba mit
ihren verführerischen Rhythmen bleibt jedoch die
für Brasilien typischste Musik. Ihr genauer Ursprung
ist unbekannt. Manche nehmen an, die Samba
sei auf den Straßen von Rio entstanden, und zwar
aus einer Verschmelzung dreier kultureller Elemente
- des portugiesischen höfischen Gesangs mit afrikanischen
Rhythmen und schnellen Indiotänzen. Andere dagegen
führen ihren Ursprung auf den afro-brasilianischen
Batuque
zurück, der nur von Perkussionsinstrumenten ausgeführt
wird. Samba
ist eigentlich nur ein Oberbegriff für eine unendliche
Vielzahl verschiedener Musiktypen wie samba-enredo
(epischer Samba der Karnevalszüge mit Hauptsänger
und Chor), samba canção ( Balladen), samba do
morro (vornehmlich Schlagzeug), afro-samba, samba-rock,
usw. In
Brasilien ist Musik ein Bestandteil der Alltagskultur.
Dafür gibt es viele Gründe, die mit der Rolle
und Tradition brasilianischer Musik zu tun haben
: So besitzt Musik noch heute eine rituelle, magische
Bedeutung, beispielsweise beim Candomblé, wo Trommelrhythmus,
Tanz und Gesang die Geweihten auf den Empfang
der Gottheiten vorbereiten. Armut und Analphabetismus
machen aus der Musik mehr als einen flüchtigen
Zeitvertreib. Die langen Jahre der Diktatur erhoben
sie außerdem zu einer Form des kulturellen und
politischen Widerstands. Gleichzeitig ist die
MPB zutiefst gefühlvoll und melodiös, nie ausschließlich
"cool" oder hart. Sogar anspruchsvolle
Musikstücke mit komplexen Harmonien und komplizierten
Texten bleiben allen zugänglich, werden nicht
zu unerreichbarer "vergeistigter" Musik.
Die großen brasilianischen Musiker waren seit
jeher Stimme und Sprachrohr ihres Volkes : Jedermann
kennt sie und ihre Lieder. Man besuche nur eine
der vielen Musikshows : Da wird ein bekannter
Musiktitel genannt und der ganze Saal kreischt
vor Freude. Dann Singen Tausende lauthals mit
- von der ersten bis zur letzten Strophe. Erstaunlich
ist auch, daß die meisten Musiker von Rang untereinander
befreundet sind und gemeinsam Platten auf den
Markt bringen. Die Solidarität zwischen Ihnen
ist viel stärker als die Rivalität. Vor allem
zu Zeiten der Diktatur, als sie die Zensur mit
verklausulierten Texten zu umgehen versuchten,
sich ständiger Gefahr aussetzten, waren politisches
Engagement und Zusammenhalt enorm. Viele der bekanntesten
Musiker verbrachten Jahre im Exil oder im Gefängnis.
Es ist frappierend, daß sie heute noch genau so
populär sind wie vor zwanzig, dreißig Jahren :
Ob Chico Buarque mit deinen sanften Melodien und
kritisch-hintergründigen Texten, ob Toquinho oder
Jorge Ben, ob Gal Costa oder Maria Bethânhia -
wie damals reißen sie das Publikum zu Begeisterungsstürmen
hin.
Der
einzige Gegner der MPB ist mittlerweile die heimische
und die multinationale Popindustrie. Immer mehr
brasilianische Gruppen mit nordamerikanischer Rock-
und Popausrichtung schießen aus dem Boden : "Os
Paralamas do Sucesso", "Titas", "Engenheiros
do Hawaii", Legião Urbana" u.a. Doch auch
wenn die letzten Pop-Hits aus Brasilien und den
USA bereits die entlegensten Winkel des Hinterlandes
erobert haben, verliert die MPB deswegen nicht an
Bedeutung. Vielmehr macht sie immer neue Entwicklungen
durch und sucht neue Wege. Die
erste musikalische Revolution erfolgte bereits in
den sechziger Jahren. Musiker wie Antonio Carlos
Jobim ("Girl of Ipanema), der feinsinnige Ex-Diplomat
Vinicius de Moraes, der Gitarrist und Sänger João
Gilberto schufen den "Bossa Nova" : Sie
reduzierten den aus mehrfachen Rhythmen bestehenden
Samba auf einen Grundrhythmus, vermischten diesen
mit komplizierten Harmonien aus dem Jazz und unterlegten
ihn mit anspruchsvollen, kritischen Texten.
Brasilien
ist ein Land der Musik. Die populäre brasilianische
Musik von heute ist ständig auf der Suche nach
neuen Rhythmen und Melodien. Seit sie den Anschluß
an das internationale Musikgeschäft gefunden hat,
stehen ihre Komponisten und Interpreten mehr und
mehr im Wettbewerb um die Gunst eines internationalen
Musikpublikums. Zu den bekanntesten Vertretern
brasilianischer Música
Popular gehören: Maria Bethânia, Alcione,
Roberto Carlos, Cazuza, Ney Matogrosso, Rita Lee,
Milton Nascimento, Hermeto Pascoal, Fafá de Belém,
Chitãozinho und Chororó, Elba Ramalho, Alceu Valença,
Luiz Gonzaga, Luiz Gonzaga Jr., João Bosco, Djavan,
Ivan Lins, Marisa Monte und Elis Regina.
Brasilianische
Musikrichtungen
(Quelle: www.brazil-music.com)
Axé
Axé ist eine brasilianische Musikrichtung,
die ihren Ursprung in Salvador da Bahia im Nordosten
Brasiliens hat. Ursprünglich ist Axé
eine rituelle, religiöse Begrüßung,
die im übertragenen Sinn positive Energie bedeutet.
Zunächst galt Axé als abwertende Bezeichnung
für die lautstarke Musik des bahianischen Karnevals.
Mit dem Karneval von 1992 kam die Axé music
auf. Den Namen Axé music erhielten die lautstarken
Trios Elétricos des bahianischen Karnevals
für die tropische Popmusik aus Bahia. Daniela
Mercury; "die weisse Muse der Axé music"
interpretiert diese music auf Ihre einzigartige
Weise. Später wurde diese music mit den schnellen
Choros aus Rio, einer Musikrichtung mit Anklängen
an den Ragtime, der um die Jahrhundertwende in den
USA populär war, vermischt. In Axe music mischt
sich auch der Samba mit Reggae und Mainstream Pop.
Die Einsortierung von Axé music in eine genre
ist fast unmöglich, da je nach Artist ein anderer
personeller Sound entsteht.
Ivete
Sangalo - Brasilianische Künstlerin des Jahres
2004! Die Königin der Axé music (Rainha
do Axé) repräsentiert mit der Gruppe
Banda Eva als Leadsängerin oder auch solo einen
eigenen Axé music Stil.
Forró
Forró ist ein Musik- und Tanzstil aus dem
Nordosten Brasiliens. Die typischerweise dominierenden
Instrumente sind Zabumba, Sanfona und die Triangel.
Er ist mittlerweile in ganz Brasilien bekannt und
populär; in den Städten des Nordostens
wie Fortaleza, Recife oder Natal gibt es häufige
Forró-Feste, die die ganze Nacht dauern.
Forró
ist in Brasilien nicht nur Synonym für eine
regionale Form populärer Musik, es steht auch
für die Volkskultur aus dem Nordosten des Landes.
Unter forró begreift man in Brasilien zunächst
einen spezifischen Musikstil aus dem Nordosten des
Landes in dem sich Akkordeon, Flöte, Gitarre
und Schlaginstrumente zu einem Volkstanz verbinden.
Das Akkordeon (acordeom) oder die Knopfgriff-Handharmonika
(sanfona), gelegentlich noch die Konzertina (concertina),
sind als solistisches Melodieinstrument, begleitet
von zabumba (große Rahmentrommel) und Triangel,
kennzeichnend für das typische "Trio de
Forró". Im Nordosten selbst, in den
Bundesstaaten Alagoas, Sergipe, Pernambuco, Paraíba,
Piauí und Ceará ist forró vor
allem auch der Anlaß, das Fest, also weit
mehr als Musik und Tanz allein .
Música
Popular Brasileira
Música Popular Brasileira (kurz MPB) nennt
man heute die Popmusik aus Brasilien. Die brasilianische
Herkunft und die Verbindung zur traditionellen Musik
sind dabei wichtige Definitionsmerkmale. MPB ist
für die Brasilianer "nossa música",
"unsere Musik" und eng mit dem kulturellen
und nationalen Selbstverständnis verbunden.
Die
Música Popular Brasileira ist der Oberbegriff
für die folkloristischen und populären
Spielarten der brasilianischen Musik und zeichnet
sich durch Klangvielfalt und Formenreichtum aus.
Der Begriff der Música Popular Brasileira
kam in den sechziger Jahren auf, als auch der Bossa
Nova entstand. Er umfasste das Musikschaffen der
eher intellektuellen Musiker, die landesweit bekannt
und populär sind. Seit den 30er Jahren verbreitete
sich die Música Popular Brasileira in Brasilien
auch über das Radio und erfreute sich in allen
Gesellschaften wachsender Beliebtheit.
Samba
Samba (v. port.: semba = Tanz) bezeichnet eine musikalische
Stilrichtung aus Brasilien (speziell: Rio de Janeiro),
nach der Samba getanzt wird. Der Samba-Musikstil
wird von der kultischen Musik Alt-Afrikas aus dem
Kongo- und Sambesigebiet abgeleitet. Das weltweit
größte Samba-Festival außerhalb
Brasiliens findet alljährlich im Sommer in
Coburg statt. Natürlich
ist Samba nicht gleich Samba, eher eine faszinierende
Vielfalt und Ursprünglichkeit bei der man im
rhythmischen Sound der Trommeln leicht den Überblick
verlieren kann. Die Samba ist ein afrobrasilianischer
Tanz, und hat seinen Ursprung von uralten Kreistänzen
der Bantu-Neger. Entstanden in Brasilien im 19.
Jahrhundert,. Der Name wird von dem afrikanischen
Wort "semba" (= Bezeichnung für typische
Hüftbewegungen) abgeleitet. Die Samba-Musik
ist eine Perkussionsmusik. Das Instumentarium, ebenfalls
afrikanischen Ursprungs, besteht aus Trommeln (Atabaques),
Glocken (Agogos, Cenceros), Reco-Recos (Guiro, Guayo).
Die lebendige, schnelle Musik regte zu tänzerischer
Bewegung an.
Bossa
nova
Das „Girl from Ipanema“ ist mit Sicherheit
die bekannteste Brasilianerin. Antonio Carlos Jobim
sendete mit diesem Lied den Sound of Brasil in die
Welt und brachte damit brasilianische Musik in andere
Kulturen.
Brasilianische Musiker wie Jobim, Joao und Astrud
Gilberto oder Baden Powell brachten Mitte der 50er
Jahre die Bossa Nova auf den Weg. Der Rhythmus der
Boss Nova war in Brasilien selbst aber der Anfang
einer Entwicklung. Ende der 60er Jahre machte eine
neue Generation von Sängern von sich reden.
Caetano Veloso, Gilberto Gil, Gal Costa oder Jorge
Ben mixten modernen Rock mit Latin Rhythmen und
gaben immer wieder neue Akzente. Tropicalia eine
Bewegung und Musikstil zugleich. Die Tropicalia
Musiker wurden zu Volkshelden, da sich ihre Musik
mit der sozialen Realität unter der Herrschaft
einer Militär Diktatur auseinander setzten.
Gefängnis und Exil ist Bestandteil fast aller
Lebensläufe der musikalischen Gründer
der Tropicalica Bewegung. Die Lieder der Künstler
kannte jedes Kind in Brasilien und so entstand eine
junge Gegenkulter des Regimes von der intelektuelle
in Europa und America nur träumen konnten.
Pagode
Pagode, ein intimer Samba-Stil aus den Favelas Rios.
Pagode Samba, ist zur Zeit der letzte Schrei zwischen
Porto Alegre, Recife und São Paulo. Pagode
ist ein schneller Samba mit Texten aus dem Alltag,
die auch sexuelle Anzüglichkeiten nicht auslassen.
Die Pagode musik der Gruppen Hamonia do Samba und
raca negra verleiten zum träumen. Jorge Aragão
bastelte als Mitglied der Gruppe Fundo Do Quintal
maßgeblich an der Entwicklung des Pagode mit.
Die Pagode ist eine Variante des Samba mit "kleinen"
Instrumenten und improvisiertem Gesang im Frage-Antwort-Muster.
Sie entsteht oft spontan, wobei der Rhythmus mitunter
auch - wenn geeignete Instrumente fehlen - auf gerade
vorhandenen Gegenständen improvisiert wird.
in einem pagode-ensemble kommt jedes Instrument
nur einmal vor. Man spielt eine mit der Hand geschlagene
Repinique (repinique-de-mão), eine Rassel
und ein reco reco, ein pandeiro, eine cuíca
und ein surdo. Dazu Banjo, Mandoline und cavaquinho,
die Musiker singen einstimmig, sowohl im Wechsel
mit einem Vorsänger als auch allein.
Salsa
Salsa hat seine Wurzeln in der Karibik. Hier traf
die "clave", ein Rhythmus, den die Sklaven
aus Afrika mitbrachten, auf die Musik ihrer Unterdrücker
aus Europa. Salsa selbst entstand in den "Barrios",
den Ghettos der Lateinamerikaner in New York.
Einen Rückblick zu versuchen, der den Ursprung
des Begriffs “Salsa” als Bezeichnung
für die Musik zurückverfolgt kann immer
nur eine eigene Interpretation wiedergeben: Ist
Salsa nur eine Bezeichnung gewesen für die
Vermarktung der Musik und somit eine Modeerscheinung.?
Oder eher die alten traditionellen kubanischen Rhythmen?
Salsa zu hören bedeutete für viele zugleich
immer auch eine Hinwendung zu den eigenen Traditionen
und der eigenen Kultur. Spanish Harlem und die South
Bronx, war hauptsächlich von Puerto-Ricanern
bewohnt. Sie nahmen Salsa selbstverständlich
als eigene Musik auf. Aber auch die lateinamerikanische
Gemeinde im New York der 60er-Jahre war bereits
im Wandel begriffen und veränderte sich zusehends.
Sie alle wirkten an der Entstehung der neuen Musik
mit.
Batucada
Der Name Batucada kam erstmals um 1930 auf und bezeichnete
drei Dinge: Ein Fest mit Batuques (Afrikanische
Tänze), eine Musikform oder einfach nur eine
bestimmte Zusammensetzung einer Trommelgruppe. Samba
Batucada eine Trommelformation mit bestimmter Instrumentierung.
"Batucada"
(aus dem Portugiesischen) ist ein Tanz aus Brasilien,
eine Abart des Samba in langsamerem Tempo und im
2/4-Takt. Für die Samba Batucada werden die
Tamborims mit Plastikpeitschen gespielt. Damit wird
ein sehr lauter, scharfer Ton erzielt. Durch eine
bestimmte Spieltechnik, mit einer Drehbewegung der
linken Hand, die das Tamborim hält, ist es
möglich extrem schnell zu spielen. So können
auch bei dem hohen Tempo der Samba Batucada, durchlaufende
16tel gespielt werden.