Spiele und Toques in der Capoeira

Toques sind Rhythmen, die mit der Berimbau gespielt werden. Während langsame Rhythmen ein langsames und emotionales Jogo (Spiel) steuern, treiben schnelle Rhythmen die Capoeiristas zu energievollem und kämpferischem Jogo an. Die Lieder unterscheiden sich natürlich auch und sollten dem entsprechendem Spiel angepasst werden. Es gibt zwar einige klassische Toques wie z.B. nach Mestre Bimba, aber zusätzlich entwickelten sich im Laufe der Zeit auch zahlreiche, zum Teil Gruppen bezogene, eigene kleine Abwandlungen, aber im Grunde genommen, unterscheidet man unter folgende Toques/Spielen:

 

Caxixi - Bewegung mit der Rassel

tsch tsch - Cabaca ist zu (auf dem Bauch) und der Stein wird nur ganz leicht an den Draht gehalten, so dass ein Schäppern ertönt.
ding - Cabaca ist offen, Schlag mit fest gedrücktem Stein an dem Draht.
dong - Cabaca ist offen, einfacher Schlag ohne Stein.
stop - Schlag ohne Stein und gleich darauf Stein dranhalten, so dass die Vibration aufgefangen wird.

 

 

Angola:

Die Angola ist ein sehr langsames Spiel. Dementsprechend ist auch der Gesang und Jogo sehr langsam. Die Capoeiristas bewegen sich so nah wie möglich am Boden und sind dennoch ständig auf der Hut, vor den plötzlichen Angriffen des Gegners (Malícia). Körperhaltung und Bewegungen sind nicht ganz dieselben wie bei den anderen Jogos (Jogo Regional), langsame Akrobatik ist nur in sehr beschränktem Maße vorhanden. Bei diesem Jogo sind unter anderem auch Chamadas (kurze Zwischentänze) vorhanden, die man sonst in keinem anderem Jogo sieht! Die Regeln der Roda sind auch um einiges traditioneller, so ist es z.B. untersagt die Kleidung des Gegners mit den Handflächen zu berühren oder einen Capoeirista  während des Jogos  zu kaufen, da jeweils immer zwei neue Capoeiristas sich am Fuße der Berimbau zu einem neuen Jogo finden.

Toque de Angola (Gunga)
Toque de Sao Bento Pequeno de Angola (Media)
Toque de Sao Bento Grande de Angola (Viola)

 

 

Regional:

Das wohl am häufigsten gespielte Jogo, wobei alles erlaubt ist. Man zeigt Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer. Würfe und Rasteiras sind ebenso Bestandteil wie Tritte und Akrobatik, unterstrichen von Malícia und schnellen Attacken. Es ist ein Jogo mit angemessener Härte, das aber auch manchmal recht aggressiv sein kann.

Toque de Sao Bento Grande de Bimba (Regional)
Toque de Sao Bento Grande

 

 

Benguela:

Die Banguela ist eine Mischung zwischen Angola- und Regional-Stil, nicht zu viel und auch nicht zu wenig am Boden und auch die Geschwindigkeit ist mittleren Tempos. Ziel ist es mit schönen runden Bewegungen und wenig Ginga den Spielfluss nicht zu beeinträchtigen. Die Capoeirista  spielen eng beieinander und zeigen ein schönes kontinuierliches Zusammenspiel.

Toque de Benguela

 

 

Iuna:

Die Iuna ist ein Jogo ausschließlich für ausgebildete (graduierte) Alunos (Schüler), Professores (Lehrer) und Mestres (Meister). Hier hat man die Möglichkeit im Jogo zu zeigen was man kann und auch die Eingänge in die Roda sind nur mit Akrobatik zu eröffnen. Das Spiel findet ohne Singen und Klatschen statt und wird von nur einer Berimbau, mit dem typischen Iuna Rhythmus und zwei Pandeiros begleitet.

 

Toque de Iuna

 

 

Cavalaria:

Die Cavalaria ist ein Rhythmus, der immer dann gespielt wurde, wenn die Polizei (Reiter) sich näherten. Es war eine Art Warnung, zu einer Zeit, wo die Capoeira noch verboten war.

 

Toque de Cavalaria

 

 

Amazonas:

Amazonas ist ein Toque der gespielt wird um eintreffende Meister und Gäste zu begrüssen.

 

Toque de Amazonas:

 

 

Santa Maria:

Santa Maria beschreibt das Spiel, bei dem versucht wird ein in der Mitte der Roda aufgestelltes Stück Papier (Geld) mit dem Mund möglichst geschickt während des Spiels aufzunehmen. Die Spieler werden sich dabei natürlich gegenseitig behindern. Der Gewinner behält das Geld...

Toque de Santa Maria

 

 

Idalina:

Idalina ist ein Rythmus, der früher zum eher seltenen Rasierklingen Spiel benutzt wurde. Dabei haben die Capoeiristas Rasierklingen zwischen den Fusszehen gehalten und sich gegenseitig atackiert.

 

Toque de Idalina

 

 

Miudinho:

Miudinho wurde von Mestre Suassuna (Cordao de Ouro) entwickelt. Das Spiel wirkt wie ein sehr schnelles Angola Spiel, wobei das Hauptziel im engen Zusammenspiel mit dem Gegenüber liegt.

Mestre Suassuna: "The game of miudinho is generating controversy because it is being misinterpreted. People are thinking it's a new capoeira, and it's nothing like that. I simply rescued an older capoeira, modernized the manner of playing it, changed the sequences... the name miudinho arose because I was observing that capoeiristas were playing very distant from each other and in our time we played very close; thus, I said to people, 'I want the game more minute, closer, play very tiny.' Then, I created a toque on the berimbau. Miudinho is not a new capoeira, it's a different manner to display capoeira. Just like the games of Iuna and São Bento Grande exist, the game of miudinho exists."